Nur zwei Puppen tragen die Handlung: Zawrel und Gross

Im September vorigen Jahres war es dann so weit: Nikolaus Habjan suchte den Kontakt zu Friedrich Zawrel . Dieser wohnt seit längerer Zeit in einem Pflegeheim in Wien Meidling. «Ein Puppentheater über mein Leben?» Große Skepsis vorerst von dessen Seite. Nach vorsichtiger Annäherung zwischen dem 83j-ährigen Friedrich Zawrel und dem 24-jährigen Nikolaus Habjan fiel dann bald der entscheidende Satz: «Niki, ich geb mein Leben in deine Händ’.»

Und ab da trafen die beiden einander über ein halbes Jahr einmal in der Woche. Im Pflegeheim, in Kaffeehäusern. «Es wurde eine Katharsis für mich. An diesen Begegnungen bin ich gewachsen», meint Nikolaus Habjan. Die Interviews montiert der Puppenspieler zu einem Text, den er gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Regisseur Simon Meusburger, auf die Bretter des kleinen Theaters mit bloß 72 Plätzen bringt. Nur zwei Puppen tragen die Handlung: Friedrich Zawrel und Heinrich Gross. Nikolaus Habjan spielt sie beide. Er lässt – in Zeitsprüngen – verschiedene Episoden aus Zawrels Leben vor uns Revue passieren. Meist ist Nikolaus Habjan mit seinen Puppen auf der Bühne deutlich zu sehen. Bei einigen Szenen verhüllt er sich. «Sie sind mir zu brutal, zu entsetzlich, gehen mir zu nahe. Da muss ich mich – auch äußerlich – davon distanzieren.»
Und wie ließe sich der heutige Friedrich Zawrel beschreiben? Die Antwort kommt spontan, ohne Zögern. «Er ist offen und freundlich, eigentlich rührend, auf jeden Fall sehr sympathisch, nicht verbittert, nicht rachsüchtig. Er ist kein gebrochener Mensch. Er ist einfach großartig.»
Oft wurde Friedrich Zawrel zu Vorträgen in Schulen eingeladen. Als einer der allerletzten Zeitzeugen für die Verbrechen der Tötung «unwerten Lebens» während der NS-Zeit. «Da hält er sich ganz streng an sein vorgefertigtes Konzept», sagt Habjan. Jetzt kommen die Schüler_innen zu ihm ins Pflegeheim. «Ich mag die jungen Menschen», sagt Zawrel.

Und wird er zur Premiere ins «Schubert Theater» kommen? Zwei Tage danach hat er einen Termin im Parlament. «Ja, das schaut guat aus. Da muss ich halt gsund bleibn.»

Was erhofft sich das kleine engagierte Team für seine beeindruckende Arbeit?
«Dass viele, viele Leute kommen! Und dass sich nach der Aufführung einige über diesen tragischen Fall genauer informieren und ihre Zweifel und ihr Nachdenken nicht aufgeben.»

INFO
Das Figurentheaterstück «F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig» ist noch viermal im April zu sehen: 14., 20., 21., 22., 23. 4. 2012.
Barbara Huemer 04/2012

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