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„BÖHM“

BÖHM

 

von Paulus Hochgatterer

Uraufführung Schauspielhaus Graz, 22.03.2018
Puppendesign: Nikolaus Habjan

Puppenbau: Nikolaus Habjan/Marianne Meinl

Regie: Nikolaus Habjan

Regiemitarbeit: Martina Gredler

Bühne: Julius Semmelmann

Kostüme: Cedric Mpaka

Licht: Thomas Trummer

Dramaturgie: Elisabeth Geyer

 

Gastspiele in Bregenz (Festspiele 2018), Leipzig (euro-scene 2018), Liechtenstein, Residenztheater München, Fürth (internationales figuren.theater.festival erlangen nürnberg fürth 2019) und regelmäßig im Burgtheater Wien.

 

Nominierungen

 

Nominierung für Nestroy-Preis /Beste Bundesländer-Aufführung 2018

https://www.nestroypreis.at/show_content2.php?s2id=328

 

Jurybegründung
Karl Böhm (1894 – 1981) war vieles: Ein begnadeter Dirigent und Musiker, ein meist erfolgreicher Operndirektor, eine österreichische Seelenikone, ein bei Proben grauenhafter Diktator im Namen der Kunst und ein Mann, der es sich im NS-Regime und auch danach ziemlich gut gerichtet hat. Im Schauspielhaus Graz – Böhm war gebürtiger Grazer – haben Paulus Hochgatterer und Nikolaus Habjan dem Künstler mit „Böhm“ ein besonderes Denkmal (samt Denkmalsturz) gesetzt. Ein atemberaubendes, lakonisch-lustiges, gespenstisches Kabinett des Schreckens in Schwarz-Weiß, das auch dank Habjans Böhm-Puppen (für jede Lebensepoche hat er eine eigene geschaffen) zu den eindrucksvollsten Theateraufführungen der jüngeren Vergangenheit zählt.
(Peter Jarolin)

 

 

Das virtuelle nachtkritik-Theatertreffen 2019 ist entschieden! Die Leser*innen von nachtkritik.de haben aus den 48 Vorschlägen, die ihnen die nachtkritik-Autor*innen und -Redakteur*innen vorgelegt hatten, ein Tableau aus 10 Inszenierungen gewählt. Insgesamt stimmten 5693 Wähler ab und vergaben 10.026 Stimmen. Das ist weniger als im vergangenen Jahr (11.966 Gesamt-Stimmen) und mehr als 2017 (8.363 Gesamt-Stimmen).

Wie im vergangenen Jahr war es nicht möglich, mehrfach aus demselben Netzwerk abzustimmen. Dieses Blocking macht das Ergebnis homogen. Wir wurden von verschiedenen Nutzern darauf hingewiesen, dass ihre Rechner vom System blockiert wurden. In der Kürze der Zeit ließ sich die Fehlerquelle nicht abschließend bestimmen. Wir gehen davon aus, dass von dem Fehler alle Produktionen gleichermaßen betroffen sind, zumindest gibt es keine ungewöhnlichen Ausreißer nach oben oder unten. Insofern wollen wir die zehn Arbeiten, die die meisten Stimmen auf sich vereinen konnten, noch einmal gebührlich in Bild und Ton präsentieren.

Das Ergebnis sind die folgenden zehn Inszenierungen in alphabetischer Reihenfolge (mit den Begründungen der Nominierung für die Leser*innen-Wahl).

 

„Böhm“ (nachtkritik-Theatertreffen 2019)

Nominierung: Dieser Abend ist ein Gesamtkunstwerk voller inhaltlicher Schärfe, dramaturgischer Finesse und stupendem Handwerk, (…)

– in dem von der verschachtelten Bühne bis zum szenischen Rhythmus alles mit einer Behutsamkeit aufeinander abgestimmt ist, die ihresgleichen sucht. Was auf den ersten Blick fast allzu sportlich anmutet – dass Regisseur und Puppenspieler Nikolaus Habjan hier elf grundverschiedene Figuren und 15 Charaktere ganz alleine stemmt – ist rasch vergessen. Mit solch traumwandlerischer Präzision umkreisen und spiegeln seine Figuren die Geschichte der Korrumpierbarkeit der künstlerischen Seele am Beispiel des Dirigenten Karl Böhm und seiner Verbindung mit den Nazis. Das ist atmosphärisch dicht, witzig, klug, erschütternd und schön.
(Sabine Leucht)

 

Interviews

 

Kleine Zeitung, 14.03.2018

 

Wie kam es überhaupt zu der Idee und zum ersten „Böhm“-Kontakt?

Habjan: Das geht ganz zurück auf meine allererste Arbeit, die auch schon am Schauspielhaus (Graz) gespielt wurde. In „Schlag sie tot“ gibt es die Figur des Herrn Berni, als ich diese Figur gebaut habe, hatte ich auf dem Schreibtisch, noch bei meinen Eltern zu Hause im Kinderzimmer, ein Plattencover von der Zauberflöte liegen – dirigiert von Karl Böhm. Damals hatte ich noch keine Beziehung zu Böhm, habe aber das Bild von ihm auf dem Cover der Platte gesehen und wenn man ganz genau hinsieht, sieht man, dass das eine ganz klare Inspiration gewesen sein muss. Während des Studiums habe ich mich mehr mit Karl Böhm beschäftigt, nicht nur, aber auch, weil Böhm Grazer ist und weil er in Graz begraben liegt. Er ist ein Kind dieser Stadt, auch wenn sein Wirken fast ausschließlich außerhalb von Graz stattgefunden hat. (Kleine Zeitung, Michael Tschida, 17.03.2018)

 

Wer war in Ihren Augen dieser Karl Böhm?

Habjan: Ein Mann, der unterschiedlichste Aspekte in sich vereinte, eine Figur voller Widersprüche, die skrupellos im Dienste der NS-Propaganda arbeitete. Als Dirigent war er voller Pedanterie, Akribie, Liebe, um die Musik genau so zu gestalten, wie er dachte, dass es der jeweilige Komponist gewollt hätte. Zufriedenheit und Glück hielt er offenbar nicht aus- jeder falsche Ton, jeder wackelige Einsatz war für ihn eine Todsünde. Zudem war er extrem überzeugt davon, was er tat, frei von jedem Selbstzweifel.

Nach der Waldheim-Affäre glaubte man ja zunehmend, es gäbe nur noch ein paar verstreute „Kellernazis“. Jetzt trauen sich immer mehr ganz selbstbewusst wieder ins Parterre.

Ewiggestrige gibt es leider weiterhin und überall. Und das Verdrängen hat nicht aufgehört. Man muss sich nur die Biographie von Karl Böhm auf dem digitalen Stadtportal graz.at anschauen – kein Wort über die fragwürdige Vergangenheit des Ehrenbürgers von Graz. Und in Wien, wo ich lebe, werden jeden Tag Häuserwände beschmiert: „Moslems raus!“ Früher hieß es halt: „Juden raus!“

(Neue Vorarlberger Tageszeitung, Lisa Kammann, 25.07.2018)

 

 

Böhm“ feierte am 22. März im Schauspielhaus Graz Premiere. Wie ist das Stück beim Publikum angekommen?

Nikolaus Habjan: Es ist sehr gut angekommen, es gab großartige Publikumsreaktionen, auch der Verkauf läuft gut. Ich bin sehr glücklich. Ich habe auch kritische Stimmen gehört, aber ich glaube diese Menschen haben an sich ein Problem mit der Aufarbeitung der Vergangenheit. Mir hat sogar ein Verwandter von Karl Böhm geschrieben, und er hat gemeint, dass er Böhm sogar noch etwas düsterer gezeichnet hätte. Auch er war begeistert von dem Stück.

In „Böhm“ geht es um den tiefen Zwiespalt der Person Karl Böhm. Einerseits zählt er zu den größten Dirigenten des 20. Jahrhunderts, andererseits verhielt er sich dem nationalsozialistischen Regime gegenüber zumindest opportunistisch. Wie wird das im Text von Paulus Hochgatterer behandelt?

 

Paulus Hochgatterer hat hier einen ganz großartigen Weg gefunden. Das letzte, was wir machen wollten, war ein Anklagestück. Der Künstler Karl Böhm ist ja unangefochten. Wir haben versucht, generell den Begriff „Mitlaufen“ zu untersuchen, am Beispiel der Biografie von Karl Böhm. Wie kann sich ein Künstler einem Regime, einer Bewegung andienen? Es ist ja auch bewiesen, dass Karl Böhm das gemacht hat. Paulus Hochgatterer hat die Figur eines alten Mannes kreiert, der dement ist, seine ganze Persönlichkeit destabilisiert sich. Er ist der Meinung, dass er Karl Böhm ist, und er verschwindet immer mehr in dieser Fremdbiografie. Das Stück arbeitet mit Szenen aus der realen Lebensgeschichte, mit Gesprächen, die stattgefunden haben, die Böhm selbst in seiner Autobiografie beschreibt. Es gibt auch diese andere Ebene: der alte Mann. Er hat einen 24-Stunden-Pfleger, das bin ich. Dieser Pfleger hat eine kleine Schwester. Eigentlich geht es vor allem um die Begegnung des alten Mannes mit diesem Mädchen. Es ist eine unglaublich zarte Begegnung zwischen den beiden. Jeder beeinflusst den anderen ein wenig. Das ist das Spannende daran. Das Mädchen stellt Fragen, die sonst keiner stellt. Dadurch entgehen wir der Denunziation. Das fände ich niveaulos.

 

Der alte Mann, der von der Puppe verkörpert wird, ist also nicht Karl Böhm?

 

Ja, aber Karl Böhm kommt auch vor. Es vermischt sich. Der Zuschauer erlebt den alten Mann und weiß manchmal nicht: Ist er es oder ist er es nicht? Er kann aber rein rechnerisch ja gar nicht Böhm sein. Es werden auch viele Fragen gestellt, die gar nicht beantwortet werden, und das Stück soll auch nicht belehrend sein. Damit erreicht man gar nichts, und wenn doch, nur das Gegenteil. Das Werk ist auf jeden Fall sehr reflektierend. Der Zuschauer stellt sich vielleicht die Frage: Wie weit würde ich selbst an Böhms Stelle gehen? Meine Aufgabe ist es, einen Spiegel zu schaffen.

 

Wie viele Figuren spielen Sie?

 

Es gibt 15 Figuren, elf davon sind Puppen. Es kommen vor: Elisabeth Schwarzkopf, Christa Ludwig, Walter Berry, Paul Schöffler und Fritz Busch. Erna Berger ist dabei, dann natürlich Karl Böhm in verschiedenen Altersstufen. Wir haben den jungen Böhm, den älteren und den ganz alten und das Mädchen. Und dann gibt es noch den alten Mann. Und es gibt Rollen, die ich spiele: den Pfleger, Karl Löbl, und ein Inspizient. Konzertmeister Wolfgang Schneiderhan kommt auch noch vor.

 

Was spielt die Musik für eine Rolle in dem Stück?

 

Eine riesige. Wenn es um einen Dirigenten geht, kann man die Musik nicht außen vor lassen. Es gibt ein musikalisches Motiv, das sich durch das ganze Stück zieht, das ist Schuberts „Doppelgänger“ – eine Anspielung auf den alten Mann, der ein riesiges Problem damit hat, dass er auch noch aussieht wie Karl Böhm. Opern- und Liedkenner werden in dem Stück noch einiges mehr entdecken, doch das ist nicht notwendig. Es kommen auch Böhm-Aufnahmen vor.

 

Geht es in dem Stück auch um die Künstlerpersönlichkeit Karl Böhm, um den Dirigenten, das Genie? Im Begleittext zum Stück ist ja auch die Rede von dem Dirigenten als einer gottähnlichen Person, die quasi als Alleinherrscher über den großen Klangkörper verfügt.

 

Ja natürlich. Ich glaube, es geschieht grundsätzlich ein Umbruch in der ganzen Theaterwelt. Ich rede auch nicht gerne von Hierarchie, das ist das falsche Wort. Ich rede lieber von Arbeitsteilung. Es gibt Zuständigkeiten, dabei steht aber niemand über dem anderen. Böhm ist natürlich auch ein Kind seiner Zeit, da bedeutete ein Dirigent noch etwas anderes.

 

Puppen und Musiktheater: Ist das eine seltene Kombination?

 

Nein, ich finde auch, das ist eine perfekte Kombination. Im Puppenspiel und in der Musik geht es um Timing, Rhythmus. Es gibt das Salzburger Marionettentheater, in Lindau gibt es eine Marionettenoper. Diese Kombination ist gar nicht so selten.

 

 

Kritiken

 

Er [Nikolaus Habjan] bringt sogar […] knapp einen Meter große marionettenartige Puppen zum Einsatz und zeigt dabei seine Virtuosität in der Verwendung der unterschiedlichsten Zungenschläge: vom rumänischen Helfer über das näselnde Schönbrunnerdeutsch-Wienerisch Böhms bis hin zum sächselnden Reichsgaumusikbeauftragten. Dabei gelingt ihm, was nur den besten Puppenspielern – noch dazu hat Habjan mit Hilfe von Marianne Meinl alle Puppen selbst angefertigt, und die Lebensähnlichkeit der Pappmachékameraden wird immer größer – geglückt: Nach kaum einer Schrecksekunde vergisst man, dass man Puppen vor sich sieht. Und am Ende dieses erstaunlichen, geglückten, minutenlang frenetisch beklatschten Abends hat Habjan doch noch Böhm vom Sockel gestoßen. Ein gleichzeitig beklemmendes und befreiendes Bild. (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Martin Lhotzky, 24.03.2018)

 

Dieser (Hochgatterer) lieferte kein klassisches Bio-Drama, sondern bediente sich eines geschickten Kunstgriffs: Protagonist ist ein sehr alter Mann, der in seinem Wohnzimmer Böhm-Platten hört und dem Dirigenten zum Verwechseln ähnlich ist. Da das Stück in der Gegenwart spielt, kann es eigentlich nicht Böhm selbst sein, der da spricht – der wäre heute 127 Jahre alt, das ist sogar für Dirigenten unrealistisch. Ist der Greis ein Böhm-Fan, der eins mit seinem Idol geworden ist? Oder eine Art Alter Ego des Maestro? Der Effekt ist jedenfalls erstaunlich: Wir blicken sozusagen durch Böhms Augen auf Böhms Leben zurück.

Das Bühnenbild (Julius Theodor Semmelmann) ist ein Geviert aus braunen Kommoden. Sehr witzig sind die Szenen, in denen der autoritäre, pedantische Böhm auf der Probe den Jungen Walter Berry schikaniert oder einen Musiker zur Schnecke macht. […] Der begnadete Stimmenimitator und Komödiant Habjan ist hier ganz in seinem Element. Obwohl er sich selbst hauptsächlich als Regisseur versteht, zeigt sich Habjans Meisterschaft auch diesmal in seiner Performance. (Süddeutsche Zeitung, Wolfgang Kralicek, 27.03.2018) (https://www.sueddeutsche.de/kultur/theater-der-fahle-maestro-1.3921662)

 

Nikolaus Habjan perfektioniert das Puppenspiel. Seine Inszenierung von ‚Böhm‘ mit Paulus Hochgatterers kongenialem Text wurde im Schauspielhaus bejubelt. … Es wird dunkel, Klaviermusik, Habjan tritt diskret auf, belebt den Greis. Man sieht beide im Gegenlicht im Profil, kommt niemals auf die Idee, dass hier nur eine Person spricht – perfekt verleiht Habjan jeder Figur ihren eigenen Charakter. Da sind mehrere Böhms in verschiedenen Lebensphasen zu sehen, berühmte Sänger und Sängerinnen, ein Dirigent, Konzertmeister, Journalist. Den Nazi-Kulturfunktionär spielt Habjan persönlich, Originalaufnahmen werden über Screens im Hintergrund gezeigt. Man sieht zum Beispiel Hitler, hört Teile seiner Wiener Heldenplatzrede. (Die Presse, Norbert Mayer, 23.03.2018)

 

Paulus Hochgatterers im Grazer Schauspielhaus uraufgeführtes Stück Böhm – mit dem virtuosen Puppenschauspieler Nikolaus Habjan – lässt zum einen keine historische Klarheit vermissen. Zum anderen geht es nur vordergründig um eine konkrete Person. Eher scheint das Stück die erzählerisch-analytische Annäherung an eine Mitläuferexistenz zu suchen…

Habjan vermittelt die Ambivalenz der Figur im Wechselspiel aus großem Bild und intimem Monolog. Böhm erweist sich somit als sensible Annäherung an einen Künstlercharakter, der sich stur in Noten vertieft, sich an diese klammert, um die Politik zu verdrängen. (Der Standard, Ljubisa Tosic, 26.03.2018)

 

 

Mit „Böhm“hat der Autor und Psychiater Paulus Hochgatterer einen vielschichtigen und -deutigen Text geschrieben, der auf die ambivalente Vita des in Graz geborenen Dirigenten von Weltruf Bezug nimmt. Es ist kein verbaler Rundumschlag, keine eindimensionale Abrechnung mit einem, der mit den Nationalsozialisten kooperierte, um weiterhin in seiner Lebenswelt, die einzig und allein „Musik“hieß, Erfolg haben zu können.

Ein Uhrenfetischist und Generalmusikdirektor mit braunen Flecken: Dieser Stoff wird bei der Grazer Uraufführung als bisweilen beklemmend komödiantisches Puppenspiel umgesetzt. Nikolaus Habjan, der die Idee für das „Böhm“Stück hatte, haucht insgesamt elf Puppen Leben ein. Er schlüpft auf virtuose Weise stimmlich in die unterschiedlichen Rollen, die das Umfeld des Stardirigenten bilden: Sänger wie Walter Berry oder Christa Ludwig beispielsweise. Die Titelfigur erscheint in drei unterschiedlichen Puppen, bei musikalischen Proben erweist sich Karl Böhm als grantelnder Perfektionist mit ganz und gar nicht sympathischem Oberlehrercharme. Ein von Selbstzweifeln befreiter Weltkünstler entpuppt sich als pedantischer Menschenfeind.

Wunderbar ist das von Habjan verinnerlichte, mit einem Hauch Schönbrunnerisch verfeinerte weinerliche Graz-Idiom, das alle „Böhm“-Figuren auszeichnet.  .. Das Publikum dankte mit enthusiastischem Applaus. (Salzburger Nachrichten, Martin Behr, 26.03.2018) 

 

Eindringliche Bilder und eine präzise Sprache: Nikolaus Habjan und Paulus Hochgatterer erinnern an einen der widersprüchlichsten ‚Söhne der Stadt Graz‘: an den Dirigenten Karl Böhm. Ein wichtiges Stück.  .. Nun erinnern sich Regisseur, Puppenspieler, Kunstpfeifer Nikolaus Habjan (Regie, Puppenspiel, Schauspiel) und der Psychiater und Autor Paulus Hochgatterer (Text) im Stück mit dem knappen Titel „Böhm“ an den Menschen hinter dem Maestro. Ein wichtiges Stück. In kritischer Haltung zur Gegenwart, aber keineswegs respektlos nähern sie sich dem Menschen Böhm. In einem 100-minütigen Kraftakt stemmt Habjan den äußert kurzweiligen Abend mit insgesamt elf Puppen – nämlich Stab-, Hand- und den Klappmaulpuppen im Alleingang.

… Am eindringlichsten aber ist die präzise Sprache, in der Hochgatterer eine typisch österreichische oder deutsche Geschichte des Mitläufertums stellvertretend für viele erzählt und die akribische Perfektion, mit der Habjan diese Sätze, einmal näselnd Wienerisch, einmal sanft Steirisch in leichtfüßigen, teilweise opernerdigen Dialogen mit viel trockenem Humor auf das Publikum loslässt.

Im offiziellen Graz werden, zumindest auf der Homepage der Stadt, diese braunen Berührungspunkte in seiner Biografie und sein Name auf der Liste der „Gottbegnadeten“ unter Hitler und Goebbels noch immer verschwiegen. Im Gegensatz zu den Salzburger Festspielen, wo, 2016, der Karl-Böhm-Saal um eine Tafel erweitert wurde. Dort ist zu lesen, dass Böhm „ein großer Künstler, aber politisch fatal Irrender“ gewesen sei. Mehr noch: „Sein Aufstieg wurde durch die Vertreibung jüdischer und politisch misslieber Kollegen begünstigt.

… viel Beifall für einen herausragenden Habjan und für den Mut des Schauspielhauses, sich diesem Fall hier in Graz zu widmen.(Kleine Zeitung, Julia Schafferhofer, Nachtkritik, 22.03.2018)

 

Ein Hochleistungsakt: Puppenspieler Nikolaus Habjan widmet sich im Alleingang in 15 Rollen Karl Böhm und der Spezies Mitläufertum in der NS-Zeit. Viel Beifall.

 (Kleine Zeitung, Julia Schafferhofer, 24.03.2018)

 

 

Habjans begnadete Ein-Mann-Show… Es sind atemberaubende eindreiviertel Stunden, zu denen Nikolaus Habjan ins Grazer Schauspielhaus lädt… Den faszinierenden, klugen und erstaunlich vielschichtigen Abend hat Habjan gemeinsam mit Martina Gredler inszeniert, die wandelbare Bühne stammt von Julius Theodor Semmelmann, die Kostüme steuerte Cedric Mpaka bei. Ein Theatererlebnis, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. (Michaela Reichart, Kronen Zeitung, 24.03.2018)

 

 

Dirigent Karl Böhm als grantig-geniale Puppe im Grazer Schauspielhaus. […] Nikolaus Habjan erweckt Paulus Hochgatterers Stück mit handwerklicher Virtuosität zum Leben. […] Bei der Uraufführung von ‚Böhm‘ am Donnerstag im Grazer Schauspielhaus geriet die Geschichte eines Künstlerlebens durch die gekonnte Handhabung der Puppen durch Nikolaus Habjan äußerst spannend und kurzweilig. […] Es war eine gute Idee, diese Geschichte einmal auf die Bühne der Heimatstadt des Dirigenten zu bringen, ob mit Puppen oder in anderer Form.(APA, Karin Zehetleitner, 23.03.2018)

 

 

Böhm‘ heißt das am Donnerstag im Grazer Schauspielhaus aus der Taufe gehobene Stück, ein von Paulus Hochgatterer brillant zurechtgeschnittener, tiefenscharfer Text. […] Jubel für Paulus Hochgatterer und Nikolaus Habjan, aber auch fürs Team, aus dem Habjan vor allem die Co-Regisseurin Martina Gredler besonders hervorhob. Eine so dichte, zwischen politischem Anspruch und Humor wohl abgewogene Produktion. (www.drehpunktkultur.at, Reinhard Kriechbaum, 23.03.2018)

 

Die unglaubliche Leistung von Nikolaus Habjan, sich alleine durch ganze 15 Rollen zu spielen, sowie die sprachliche Präzision von Paulus Hochgatterers Text machen ‚Böhm‘ zu einem beeindruckenden Puppentheater, das den Blick auf die noch immer nicht ganz aufgearbeitete Nazi-Vergangenheit schärft. Ein außergewöhnliches Stück – nicht verpassen! (www.kultrefgraz.wordpress.com, Hannah Michaeler, 24.03.2018)

 

Grandios, beklemmend und höchst unterhaltsam: Nikolaus Habjan dirigiert den dirigierenden Karl Böhm … Im Mittelpunkt steht der Dirigent, der bei den Proben die Musiker und Sänger, darunter Walter Berry, i-tüpfelreitend fertig macht. Meine Herren, das ist höchst unterhaltsam, bernhardesk und – trotz ein paar platter Momente (z. B. die Szene mit Karl Löbl) – grandios. Fabjan brilliert. (Kurier, Thomas Trenkler, 04.04.2018)

 

 

 

 

Wie überhaupt an Kunstgriffen im wahrsten Sinne des Wortes dieses Stück so reich ist. Man wird die ganzen ein dreiviertel Stunden nicht müde, über die hochvirtuose Puppenführung Habjans zu staunen, aber auch über seine sprachliche Virtuosität, mit der er der jeweiligen Figur seine Stimme leiht. Ob es der göttlich raunzige Böhm ist oder Habjan selbst als Krankenpfleger mit slawischem Akzent, oder die sächselnden Verwaltungsmenschen an der Semperoper in Dresden, all das spricht Habjan, köstlich charakterisiert, aber nie übertrieben, selbst… Dem Dichter Paulus Hochgatterer ist mit Böhm ein Text von selten tiefer Empathie gelungen, und Nikolaus Habjan hat ihn mit erstaunlichen und zugleich tief berührenden Mitteln auf die Bühne gebracht. 

(musikundmehr.mika.at, Anna Mika,Juli 2018)

 

Ein starkes Stück zu Kunst und Politik. … Hochgatterer und Habjan bieten in ‚Böhm‘ subtil Reflexion an, die mit einem sachten Stoß vom Sockel endet und sie übertragen das Thema Kunst und Politik in die Gegenwart. Vom Publikum erfuhren sie gestern Abend jubelnde Zustimmung.(Vorarlberger Nachrichten, Christa Dietrich, 28.07.2018)

 

 

„Den Künstler Böhm greife ich nicht an und ich will ihn auch nicht angreifen, ich appelliere aber dafür, sich die Biografie genau anzusehen.“, erklärt Habjan , der selbst auf er Bühne stehend uns alle Puppen führend, auch die Eitelkeit des Dirigenten thematisiert…(Bregenzer Festspielzeitung 2018, Christa Dietrich)

 

Am Ende einhelliger, langer Jubel mit Standing Ovations im Bregenzer Kornmarkttheater – und Brecht hätte seine Freude über den perfekten Verfremdungseffekt gehabt:Nikolaus Habjan hat bei den Bregenzer Festspielen in hundert Minuten ein nie moralinsaures, dennoch entlarvendes Psychogramm des Dirigenten Karl Böhm vorgeführt – durch meist lebensgroße Puppen… Denn der Abend, der mit extemporierten Anspielungen auf Böhms historische Auftritte zu Beginn der damaligen „Bregenz Festwochen“ 1948 und 1980 zur Einweihung des neuen Festspielhauses begann, könnte auch in nahezu allen großen Opernhäusern so beginnen: sie alle sollten sich den exzellenten Abend mit Nikolaus Habjan und seinen menschlich nah-fernen Puppen nicht entgehen lassen. (Neue Musikzeitung, Wolf-Dieter Peter, 27.07.2018)

Am Ende einhelliger, langer Jubel mit Standing Ovations im Bregenzer Kornmarkttheater – und Brecht hätte seine Freude über den perfekten Verfremdungseffekt gehabt: Nikolaus Habjan hat bei den Bregenzer Festspielen in hundert Minuten ein nie moralinsaures, dennoch entlarvendes Psychogramm des Dirigenten Karl Böhm vorgeführt – durch meist lebensgroße Puppen…drei lebensgroße Halbkörperpuppen für den jungen, mittleren und alten Karl Böhm beschwören beeindruckend viel vom Menschen herauf – mit Klappmaul in der hölzernen Physiognomie, wenigen Bewegungen – vor allem aber mit Sprechkunst des jungen Nikolaus Habjan. Perfekt ausgesteuert über das kleine Mikroport-Mikrofon lässt er vor allem den alten Puppendoppelgänger im Rollstuhl im frappierend imitierten „Böhm-Tonfall“ mal granteln, mal schlechte Einsätze auf zugespielten Plattenaufnahmen monieren, kurz mal belfern und dann in stupend wechselnder Artikulation den leicht balkanisch radebrechenden Pfleger etwas beruhigen, nachfragen oder ergänzen.(Abendzeitung München, Wolf-Dieter Peter, 28.07.2018)

 

Grandioses Spiel in ‚Böhm‘ bei den Bregenzer Festspielen. Publikum spendet kräftigen Applaus. […] In einer raffinierten vielschichtigen Erzählung nähert sich der Schriftsteller und Psychiater Paulus Hochgatterer mit seinem Stück ‚Böhm‘ dem Leben und Wesen des ehemaligen Staatsoperndirektors an. Regisseur und Puppenkünstler Nikolaus Habjan setzt dieses Werk virtuos und mit viel Gefühl in Szene. Und so gab es im Theater am Kornmarkt großen Jubel für Habjan und Hochgatterer… (Neue Vorarlberger Tageszeitung, Lisa Kammmann, 27.07.2018)

 

Wie überhaupt an Kunstgriffen im wahrsten Sinne des Wortes dieses Stück so reich ist. Man wird die ganzen eindreiviertel Stunden nicht müde, über die hochvirtuose Puppenführung Habjans zu staunen, aber auch über seine sprachliche Virtuosität, mit der er der jeweiligen Figur seine Stimme leiht. (Kronen Zeitung, Anna Mika, 27.07.2018)

 

Schildkrötenartig windet sich der Hals des alten Herren aus dem blauen Hemdkragen. Mit herrischer Geste dirigiert er Schubert zum Klang der Schallplatte. Dann faltet er mit österreichischen Schimpftiraden das Orchester zusammen. In dieser Eingangsszene zeigt sich bereits die große Kunst Habjans, der erstens den lebensgroßen Puppen-Greis im Rollstuhl selbst gebaut hat (in Zusammenarbeit mit Marianne Meinl sind alle Figuren entstanden) und ihn zweitens hoch realistisch spielt mit zitternden Händen, autoritärem Dirigat oder resigniertem Kopfzucken. Das gerät hinreißend und Habjan zieht das Publikum mit der Magie seines Spiels sofort in Bann.

… So rollt die Inszenierung über Bande die Biografie Böhms auf. Vom sicheren Grund des Wohnzimmers, Ankerpunkt der Inszenierung, springt der Abend zu entscheidenden historischen Wegmarken in kleine So-könnte-es-gewesen-sein-Szenen. Zitate aus einem Kontext bekommen im Licht der anderen Zeitebene eine neue Bedeutung. Das ist klug montiert und vermeidet scharfe Anklagen. Doch die Frage, wo Böhm, der nicht NSDAP-Mitglied war, sich hätte unter moralischen Aspekten anders verhalten müssen, schwebt permanent über den (Puppen-)Köpfen. (Leipziger Volkszeitung, Dimo Rieß, 08.11.2018)

 

Man muss nicht mal besonders austrophil sein, um dem Charme und dem professionellen Charisma von Nikolaus Habjan zu erliegen. Der 31jährige Österreicher gehört zu den Gästen der „euro-scene“, mit denen Festivaldirektorin Ann-Elisabeth Wolff den Balanceakt spielend meistert, zu unterhalten und zum Nachdenken anzustiften… Habjan – in der Rolle des genialen Puppenspielers – ist im Stück zu Gast beim alten, ewig grantelnden Böhm, den er selbst als Klappmaulpuppe gebaut hat, führt und sogar als Puppenspieler (bzw. Pfleger) mit dem alten Mann im Rollstuhl redet. Den nimmt man von seinem ersten Seufzer an für voll. Wenn er Schubert dirigiert. Wenn er sich immer etwas rechtfertigend erinnert. Und besonders, wenn er voll von seiner eigenen Genialität überzeugt, einzelne Musiker bei der Orchesterprobe zusammenfaltet. .. Alles ohne didaktischen Holzhammer, aber mit Nachwirkung. Bei Habjan stößt er am Ende die eigene Skulptur vom Sockel. Man folgt diesem Besuch bei Karl Böhm atemlos und mit Vergnügen.(Neue Musikzeitung, Joachim Lange, 13.11.2018)

 

 

 

BERLIN — For a single performer to hold an audience spellbound over a whole evening is as rare as it is remarkable. A truly great solo show comes around only once in a long while — and this is especially true on the commercial stages of Broadway or the West End in London — which is why it seems incredible that there are three such productions running at leading playhouses in the German-speaking world.

 

The most unusual is “Böhm,” an ingenious puppet show at the Schauspiel Graz theater in Austria, about the life of the one of Graz’s most famous native sons, the conductor Karl Böhm (1894-1981). Nikolaus Habjan, who also hails from the city, directs and performs in this phantasmagorical chamber play about the career of a great artist whom Alexander Van der Bellen, Austria’s president, has called a “willing servant of the National Socialists.”

 

Written by the Viennese playwright Paulus Hochgatterer, “Böhm” is a contemporary attempt to address uncomfortable truths about Austrian responsibility for and complicity in the crimes of the Third Reich. “Avenue Q” it is not.

 

Karl Böhm may not have been a committed Nazi (he never belonged to the party), but he consistently benefited from the Third Reich’s cultural policies.

(New York Times, A.J. Goldmann, 22.02.2019)

 

Das ist so hochkomisch wie bestürzend und herzangreifend realistisch. .. Man weiß kaum, worüber man mehr staunen muss. Über die Virtuosität, mit der Habjan die Charaktere nicht nur zum Leben erweckt, sondern zwischen ihnen hin- und herspringt, über seine Beobachtungsgabe und Musikalität oder über den nie plumpen Historismus. Musikferne bekommen wohl nicht alle Anspielungen mit, aber sie begreifen trotzdem: Innerlich Zerrissene wie den Böhm-Doppelgänger gibt es tausendfach. (Münchner Merkur / taz, Markus Thiel, 06.02.2019)

 

Das Duo (Hochgatterer/Habjan) bietet eine Um- und Einkreisung eines Pultstars, der nie Mitglied der braunen Partei war, aber von ihren Säuberungen profitierte und nur zu gern die freigewordenen Posten besetzte…all das ist verblüffend gut beobachtet und als Puppenspiel in seiner – vermeintlichen – Karikatur überschärfer als die Wirklichkeit. Höhepunkt ist eine Orchesterprobe. (TZ, 06.02.2019)

den Geiger Wolfgang Schneiderhan. Meistens ist er allerdings ein osteuropäischer 24-Stunden-Pheger, der sich um einen bösen alten Mann kümmert, der völlig aus der Gegenwart gefallen ist und nur noch in der Vergangenheit lebt. Wie sich die Puppen-Greisenhand an der Lehne des Rollstuhls festhält, ist großartig und genau beobachtet….

Am Ende, beim ovationsartigen Applaus, überrascht einen wieder mal, dass sich nur ein Künstler verbeugt, obwohl das Stück drei Hauptrollen hat. Habjan macht alles allein. Er spricht virtuos – wie vor ihm nur Helmut Qualtinger – mit mehreren Stimmen, Tonfällen und Dialekten.

Elf Rollen hat das Stück. Jeder gibt Habjan einen eigenen Tonfall, eine eigene Gestik und einen eigenen Charakter – selbst der nur kurz auftretenden Christa Ludwig oder dem von Böhm böse schikanierten Walter Berry als Wozzeck. Diese Kunst, verbunden mit bösem Schmäh und einem Gespür für wichtige Geschichten, macht diesen Puppenspieler so einmalig. (Abendzeitung, Robert Braunmüller, 05. Februar 2019) 

 

 

Dem Grazer Puppenspieler und Regisseur Nikolaus Habjan gelingt mit Böhm eine kluge Analyse von Mitläufertum und ein Höhepunkt der Figurentheater-Festivalsaison. … In diesem sagenhaft präzise und konzentriert servierten Solo gelingt Habjan das Schwierigste: eine Anklage, ohne ein Urteil zu fällen, eine Analyse ohne Schlussplädoyer. ..Habjan macht das alles wunderbar, mit zig Dialekten, klugen Tempo- und Temperaturwechseln und mit Puppen, die auch schweigend noch beredsam sind. Er schaut auf Böhm ohne Revanchegelüste. .. Am Ende geht eine Büste zu Bruch, das Original steht im Grazer Theater. Und die stehenden Fürther Ovationen würden noch immer andauern, wenn der Vom-Sockel-Holer Nikolaus Habjan nicht gegangen wäre. (Fürther Nachrichten / www.nordbayern.de, Matthias Boll, 01.06.2019)

 

beim mittelfränkischen Festival [gab es] Ovationen im ausverkauften Fürther Stadttheater … Ein ganz wichtiges Element dieser fulminanten, zugleich zärtlichen, wie kritischen Sicht auf Böhm ist aber das Sprach- und Sprechkunstwerk, das Habjan in den verschiedenen Rollen gestaltet …Habjan ist ein geradezu besessener Allround-Künstler, seine Puppen können alles sagen, was sonst unter den Teppich der political correctness gekehrt wird.(www.bayerische-staatszeitung.de, Uwe Mitsching, 04.06.2019) 

 

 

 

Böhm‘ vereint auf fabelhafte Weise die Poesie einer verzaubernden Bühnenkunst mit inhaltlicher Notwendigkeit und einem ungeheuer erhellenden Text. … Unbedingt anschauen, wenn man den Abend irgendwo angekündigt sieht! (Süddeutsche Zeitung, Egbert Tholl, 28.07.2019)

 

 

Obgleich ein einziger Mensch auf der Bühne erzeugt Habjan enorme Spannung und eine intime Nähe zu seinen Figuren, wenn er mehreren Puppen gleichzeitig Sprache und Körper verleiht. Mit lange anhaltendem Applaus quittiert das Publikum diese überwältigende Leistung(Memminger Zeitung / Allgäuer Zeitung, Ingrid Grohe, 28.07.2019)

 

Der großartige Puppenspieler und Regisseur Nikolaus Habjan vollführte im TAK (Liechtenstein) einen fesselnden Soloabend…Nikolaus Habjan hat pausenlos im Alleingang eine intellektuelle und emotionale Glanzleistung vollbracht, die mit Bravorufen und Standing Ovations gewürdigt wurde.

(Volksblatt, Assunta Chiarella, 07.10.2019)

 

Gekonnt inszeniert der österreichische Künstler Nikolaus Habjan mit der lebendig wirkenden Puppe eine Situation, bei welcher dem Zuschauer das Gefühl vermittelt wird, Teil des Stückes zu sein.Das Publikum wird wie selbstverständlich ins Geschehen miteinbezogen.(Liechtensteiner Vaterland, 07.10.2019)

 

Mit Standing Ovations bedankte sich das Publikum für das Wien-Gastspiel des Grazer Schauspielhauses. Tatsächlich war „Böhm“ für und mit Nikolaus Habjan ein Glücksgriff. Hochgatterer hat das Stück dem Puppenspieler, -bauer und Regisseur auf den Leib geschrieben, das zugleich dessen ganze Kunst wie auch, ohne je mit der vollen historischen Belehrungsmaschinerie aufzufahren, die „Kunst“ der österreichischen Nichtaufarbeitung in sich birgt… Der Musik muss das Politische egal sein“, lautet seine Erklärung, die, das macht die auf Habjans Spiel konzentrierte Inszenierung deutlich, keine „Entschuldigung“ sein darf, keine Wahrheit sein kann. Am Ende stürzt die Büste eines Großen in den Abgrund einer unmöglichen „Wiedergutmachung“. Ein starkes letztes Bild an einem gewichtigen Abend.(Wiener Zeitung, 14.10.2019)

 

 

Tatsächlich war ‚Böhm‘ für und mit Nikolaus Habjan ein Glücksgriff. [Paulus] Hochgatterer hat das Stück dem Puppenspieler, -bauer und Regisseur auf den Leib geschrieben, das zugleich dessen ganze Kunst wie auch, ohne je mit der vollen historischen Belehrungsmaschinerie aufzufahren, die ‚Kunst‘ der österreichischen Nichtaufarbeitung in sich birgt. … gehört ebenso zu den Stärken des Abends wie Habjans beeindruckendes Spiel mit Puppen unterschiedlichster Größen und Spielweisen. (Wiener Zeitung, Angela Heide, 15.10.2019)

 

Dieser (Abend) gehört dem einzigen Interpreten, dem Schauspieler und Puppenspieler Nikolaus Habjan, der nicht nur mit der Böhm-Puppe im Rollstuhl agiert, sondern insgesamt elf Stab-, Hand- und den Klappmaulpuppen bedient. Wäre schon das (auch noch in Eigenregie erarbeitet) ein Virtuosenstück erster Ordnung – er „ist“ jede einzelne Figur durch seine Sprache, er gibt das charakteristisch Knetschige des schrillen Böhm-Tons (den man von Originalaufnahmen kennt), er ist brillant als Schwarzkopf und noch herrlicher als Christa Ludwig (tatsächlich verwechselbar, so vollendet ist er in der Nachahmung der Charakteristika), er differenziert alles und alle in einem Alleingang, der seinesgleichen sucht, nur unterstützt von Musik und gelegentlichen Projektionen.

…Das Wiener Publikum, das virtuose Schauspieler liebt, jubelte sich die Seele aus dem Leib und trug Nikolaus Habjan (metaphorisch) auf den Händen. Verdient.“ (onlinemerker.com, Renate Wagner, 26.11.2019)

 

 

Hochgatterer führt mit einem alten Mann, der sich in seinen wahnhaften Erinnerungen manchmal für den Dirigenten hält, dann wieder sich nur als sein kritischer Fan sieht, ein geschicktes und spannendes Vexierspiel ein. […] Genial wiederum die Doppelrolle von Habjan als Puppenspieler und als Pfleger des Alten. Wie Nikolaus Habjan überhaupt alle Rollen selbst spielt und spricht […], das ist schlichtweg genial. (silviamatras-reisen.at, Silvia Matras, 26.11.2019)

 

 

 

Es gibt Theaterabende, die hauen einen einfach um. Da stimmt dann alles: Text, Timing, Bühne, Konzept. Paulus Hochgatters Stück „Böhm“ am Schauspielhaus Graz war solch ein Ereignis, 2018 hatte es dort Premiere. Der Dirigent Karl Böhm wurde in Graz geboren und ist dort so berühmt, dass man nach seinen Spuren ziemlich mühselig suchen muss. Immerhin ist sein Geburtshaus mit einer Plakette versehen – gegenüber befindet sich ein Dönerladen. Büsten gibt es auch, hingegen versteckt sich Böhms unscheinbares Grab auf einem eher abgelegenen Friedhof. In der Tourismuszentrale hat man den Namen zwar gehört, kann ihn jedoch nicht zuordnen. Dabei handelt es sich zweifellos um einen der wichtigsten – und umstrittensten – Taktstockzauberer des letzten Jahrhunderts, nicht nur sein Bayreuther „Ring des Nibelungen“ ist legendär.

Rasch geht es durch erinnerte Zeiten und fantasierte Räume, eine Menge Sängerinnen und Sänger (Elisabeth Schwarzkopf, Christa Ludwig, Walter Berry) treten auf. Immer wieder kreist das Stück um einen zentralen Punkt, dem schwarzen Loch in Böhms Biographie: sein Mitläufertum in der NS-Zeit. Wo verläuft die Grenze zwischen Nicht-Wissen-Wollen und aktivem Ausblenden? Wird man schuldig, wenn man sich ganz auf seine Kunst konzentriert? Habjan spielt alle Puppen-Partien selbst und überragend brillant. Mit seiner genialen Co-Regisseurin Martina Gredler schafft er einen mal urkomischen (Böhm bei den Proben), mal verstörenden (Böhms Autismus und seine oft unangenehm ausgespielte Autorität) Trip durch ein ganzes Leben – und eine ganze Kulturepoche. Das Ergebnis ist epochal und vermittelt sich auch via Stream – besonders, wenn man zum virtuellen Erlebnis ein Glas gut gekühlten realen Veltliners bereithält. (BR-Klassik.de, Jörn Florian Fuchs, 20.04.2020)https://www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/boehm-schauspiel-graz-paulus-hochgatterer-nikolaus-habjahn-stream-kritik-100.html

 

 

 

Wer sie (Vorstellung Böhm) verpasst hat, kann nun online zuschauen wie Schau- und Puppenspieler, Komödiant und Stimmenimitator Habjan alle 15 Rollen des Stücks allein bewältigt. „Das ist so hochkomisch wie bestürzend und herzangreifend realistisch. Man weiß kaum worüber man mehr staunen muss. Über die Virtuosität, mit der Habjan die Charaktere nicht nur zum Leben erweckt, sondern zwischen ihnen hin- und herspringt, über seine Beobachtungsgabe und Musikalität“, heißt es im Münchner Merkur.

(Die deutsche Bühne, Jens Fischer am 24.04.2020)

Jeder der elf Figuren gibt Habjan einen Tonfall, eine eigene Gestik und einen eigenen Charakter […]. Wie Habjan das mit bösem Schmäh macht, erinnert an den legendären Helmut Qualtinger, der ähnlich virtuos mit verschiedenen Stimmen sprach.“(Abendzeitung, Robert Braunmüller, 18./19.04.2020)

 

 

 

Jeder der elf Figuren gibt Habjan einen Tonfall, eine eigene Gestik und einen eigenen Charakter [Insgesamt 15 Puppen bringt Habjan im Alleingang auf die Bühne – der Puppenspieler, der alle Puppen im Stück produzierte, hat dabei im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun: „Das Ganze eben szenisch umzusetzen, ist ein Hammer, und ich habe noch nie mit so vielen Puppen auf einmal gearbeitet, auch nie so viele Rollen gespielt. Man erfährt einfach wahnsinnig viel. Das ist das Schöne bei den Stücken von Paulus Hochgatterer, da liegt so viel drinnen. Das, was gesagt wird, kommt im ersten Moment so direkt und sehr klar rüber, wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, steckt in jedem Satz eine fette Metapher drinnen.(ORF Steiermark, Kultur, 17.4.2020)(https://steiermark.orf.at/magazin/stories/3044511/)

 

Nikolaus Habjan, von Hause aus genialer Puppenbauer und -spieler, … hat Leben, Werk und Wirkung Karls Böhms als fulminanten Theatertrip mit 15 Puppen auf die Bühne gebracht. Ebenso wie Autor Hochgatterer betreibt auch Habjan ein Spiel auf und mit diversen Ebenen. … Habjan spielt alle Puppen-Partien selbst und überragend brillant. Mit seiner genialen Co-Regisseurin Martina Gredler schafft er einen mal urkomischen (Böhm bei den Proben), mal verstörenden (Böhms Autismus und seine oft unangenehm ausgespielte Autorität) Trip durch ein ganzes Leben – und eine ganze Kulturepoche. Das Ergebnis ist epochal und vermittelt sich auch via Stream

Die Musicbanda Franui gestaltet gemeinsam mit Christian Zehnder (Obertongesang) und dem Puppenspieler Nikolaus Habjan sowie Gästen aus der Region mit einer musikalischen Installation den Burgfried und bespielen die Viehversteigerungshalle in Lienz. Sie begeben sich musikalisch auf die Fährte Heinrich Isaacs und der Hofkapelle Maximilians. (BR Klassik, Jörn Florian Fuchs, 20.04.2020)

 

Ein großartiger Theaterabend, der nicht nur zur Reflexion über unseren Umgang mit unserer nationalsozialistischen Vergangenheit einlädt, sondern auch die Frage nach der (Un-)Möglichkeit der Trennung von Werk und Künstler*in stellt. Selbst Puppenskeptiker*innen sollten sich das keinesfalls entgehen lassen! 

(www.neuewiener.at, Sebastian Klinser, 20.04.2020)

(http://www.neuewiener.at/theaterkritik-kunst-ohne-skrupel-schauspielhaus-graz/)

 

Hier gibt’s gleich einen halben Opernabend inklusive: Der exzeptionelle Puppenspieler und Stimmenimitator Nikolaus Habjan hat die Geschichte des österreichischen Dirigenten Karl Böhm (1894–1981) und seine zwiespältige Rolle in der NS-Zeit in einen Theaterabend am Schauspielhaus Graz gebannt, der es sogar zu einer Besprechung in der New York Times brachte und dort als „ingenious“ bewertet wurde. „Böhm“, ein Stück von Paulus Hochgatterer, wird nun am 12. und 20. März jeweils ab 19.30 Uhr gestreamt.

(Standard, Margarete Affenzeller, 10.03.2021)